Review Libratone Zipp Airplay für unterwegs

 
Mich hat der Libratone Zipp seit seiner Vorstellung interessiert. Das Design mit den Wollpullis fand ich irgendwie ulkig. Nicht, dass ich die optionalen Pullis unbedingt regelmäßig wechseln würde, aber eine sorgfältig ausgewählte Farbe für den Pulli, und der Lautsprecher sollte optisch perfekt mit dem Interieur abzustimmen sein, vor allem da er auch nicht unbedingt nach Lautsprecher aussieht, sondern eher wie ein Accessoir.


Auch der Gedanke, dass der Lautsprecher omnidirektional abstrahlen würde, wodurch die Aufstellung vor allem draussen nicht so kritisch sein sollte, und man theoretisch von rundherum den gleichen Sound erhält, war äußerst reizvoll. Etwas das mich beim Bose Soundlink immer schon gestört hat war, dass der Klang dumpf und breeig wurde, sobald man sich nur etwas aus dem Sweetspot bewegt hat, was beim Zipp nicht mehr der Fall sein dürfte.
Man stellt ihn bei einem Kaffeekränzchen mitten auf den Tisch und alle Beteiligten sollten (zumindest in der Theorie) eine gleichsam angenehme Klangkulisse erhalten, im Gegensatz zum Bose Soundlink, der  immer speziell ausgerichtet werden muss, damit er nicht nur wummert.


Leider fand ich keinen einzigen Händler in Österreich, der das Gerät vorführbereit hätte, auch auf direkte Anfrage bei Libratone, nannte man mir nur einen einzigen Händler in Graz, der den Zipp wiederum laut eigener Webseite gar nicht im Programm hatte.
Sorgen machten mir vor allem die mageren 4 Stunden Akkulaufzeit bei Airplaybetrieb, sowie der hohe Preis, aber ich wollte mir selbst ein Bild davon machen, und habe mir den Zipp kurzerhand bestellt, mit dem Gedanken, er würde meinen Sounddock Portable bzw auch den Soundlink ersetzen, von denen ich mich dann gerne wieder trennen würde.

Gekommen ist der Zipp in einer offensichtlich bereits geöffneten Verpackung, da die Siegel bereits mehrmals überklebt worden waren. Dies beruhigte mein schlechtes Gewissen den Lautsprecher bei etwaigem Nichtgefallen wieder zurückschicken zu können, da auch ich offenbar kein komplett neues Gerät erhalten hatte. Der Akku war auch vollständig entladen, sodass ich den Lautsprecher erst mal laden musste, bis ich ihn endlich hören konnte.

Der Zipp ist mit 1,8 kg nicht sonderlich schwer. Er ist zwar deutlich größer als der Bose Soundlink (mehr als das doppelte Volumen), aber er wiegt nur etwa 500 Gramm mehr.

Ein würdigerer Gegner wäre da eher der Bose Sounddock Portable bzw. das neuere Airplay-Modell Bose Soundlink Air, der mehr oder weniger auf dem Sounddock Portable basiert. Beide haben in etwa ein vergleichbares Volumen, wobei der Bose dann inklusive Akku mit 2,8 kg doch erheblich schwerer als der Zipp ist. Mit dem optionalen Cover ist der Bose Sounddock zwar nicht ganz so schick wie der Zipp, aber wenigstens passt er wie in meinem Fall farblich dazu:

Klanglich unterscheiden sich Bose Soundlink und Bose Sounddock Portable nicht dermaßen stark. Der Bose Sounddock hat natürlich um einiges mehr Power und klingt auch insgesamt differenzierter, aber die Grundabstimmung ist bei beiden dennoch bemerkenswert ähnlich, weshalb ich den Zipp vor allem mit dem "besseren" Bose Sounddock verglichen habe.

Das erstmalige Setup ist denkbar einfach. Man drückt die DirectPlay Taste, und wählt sich vom Iphone in das vom Zipp erstellte Wifi-Netzwerk ein. Schon kann man den Lautsprecher als Airplay-Ziel direkt anwählen, bzw ihn mittels seiner Ip-Adresse weiter konfigurieren, bzw die von Libratone angebotene App dafür bemühen, mit der sich der eigene Router sehr komfortabel auswählen lässt. Nach dem Einschalten hat man mittels 2 Tasten entweder die Wahl sich mit dem Heimnetzwerk zu verbinden, oder den DirectPlay Modus zu verwenden. Ganz so einfach hat sich das Umschalten jedoch nicht gestaltet, denn manchmal wollte der Lautsprecher trotz DirectPlay kein Netzwerk aufbauen, oder verweigerte jegliche Verbindung. Erst ein neuerlicher Start usw (manchmal sogar mehrmals hintereinander) behob das Problem.

Ich habe den Zipp vorwiegend im normalen Wifi-Modus in Verbindung zu meinem Router verwendet und hatte beinahe im ganzen Garten einen ungestörten Musikstream. Nur wenn die Mikrowelle an war, wurde die Musik immer wieder unterbrochen (vermutlich, weil sie mit dem 2,4Ghz Netz interferierte), und ab und zu hatte man auch sporadische Aussetzer, aber ingesamt war der Airplaystream doch eher störungsfrei. Überraschenderweise hielt der Zipp im Wirelessbetrieb bis zu 7,5 Stunden durch. Das ist beinahe das Doppelte der angegebenen 4 Stunden. Ich hatte den Lautsprecher eher auf niedrigen bis normalen Lautstärken im Garten im Betrieb, aber auch bei höheren Lautstärken schaffte ich immer wieder die 7 Stunden. Kabelgebunden habe ich den Zipp nicht ausprobiert, bin mir aber sicher, dass er da noch länger hält. Ich habe mich nur gefragt, wie man das interne Wifi komplett ausschalten könnte, um zusätzlich Energie zu sparen, denn üblicherweise ist der Zipp auch bei kabelgebundem Betrieb nach wie vor als Airplayziel verfügbar. Wird keine Musik gestreamt, geht der Zipp automatisch in den Standby über, und erst nach einer weiteren Weile schaltet er komplett ab, zumindest bei Akkubetrieb. Hängt er am Strom, verbleibt er im Standbymodus und ist somit auch permanent als Airplayziel verfügbar.

Doch kommen wir endlich zum Wichtigsten:
Schon beim ganz ersten Hörtest fällt mir der grundlegend andersartige Klang des Zipp auf. Der Klang wirkt anfangs auf mich sehr unspektakulär und gleichzeitig enttäuschend. Der Klang wirkt topfig, als würde der Lautsprecher in einer Tonne spielen. Es klingt fast so, als wären die Lautsprecher in die falsche Richtung ausgerichtet. So drehte ich den Zipp in alle Richtungen, aber der Klang wurde dadurch nicht besser.
Positiv dagegen, dass der Klang vom Zipp selbst bei leisen Lautstärken in sich geschlossen bleibt und weder im Bass- noch im Höhenbereich absauft. Auch bei hohen Lautstärken wird der Bass nicht derart stark zurückgefahren, wie z.B. beim Bose Soundlink, weshalb der Zipp bei hohen Lautstärken auch kraftvoller klingt als der Soundlink.

Im direkten Vergleich mit dem Sounddock Portable fällt beim Zipp ein wummig abgestimmter Bass auf, aber auch ein ziemlich dünner nasaler Mittenbereich und ein klarer jedoch gleichzeitig leicht zischelnder Hochtonbereich auf.
Der Bass vom Zipp ist zwar ähnlich druckvoll wie vom Sounddock Portable, jedoch höher abgestimmt, mit einem Frequenzbuckel zwischen 150-200 Hz, der eher unangenehm klingt. Wirklich enttäuscht hat mich die Mittenwiedergabe. Stimmen klangen unnatürlich, auch manche Instrumente klangen auf dem Zipp einfach nicht richtig. Selbst der dumpfe Bose Soundlink klang bei vielen Liedern natürlicher als der Zipp, der mich immer wieder klanglich an einen Küchentopf erinnert hat.

Ich habe viele Aufstellpositionen ausprobiert, aber am besten fand ich den Klang draussen, weil da die klanglichen Unzulänglichkeiten nicht derart stark aufgefallen sind, und der Zipp bei etwas höheren Lautstärken durch seinen insgesamt durchaus druckvollen Klang überzeugen konnte.


So ganz ohne Probleme hat der Zipp hohe Lautstärken jedoch nicht gemeistert. Bei vielen Stücken hat der Tieftöner bereits knapp über der Hälfte der Lautstärke überschlagen. Die Verzerrung war nicht extrem und selbst bei maximaler Lautstärke wurde sie nur unwesentlich stärker, aber sie war hörbar und störend. Beispielsweise war der Bassklang bei "Too Young To Die" von dem neu gemasterten Jamiroquai Album "Emergency On Planet Earth" auf dem Zipp im oberen Lautstärkedrittel bereits am Limit, der sich zusammen mit der Bassdrum in einer Art Blubbern äußerte. Der Bose Sounddock Portable hatte da viel mehr Reserven, obwohl er bei maximaler Lautstärke dann auch stark zur Verzerrung neigt.

Mit der Libratone App kann man den Klang mittels zusätzlicher Klangparameter weiter beeinflussen. So gibt es diverse FullRoom-Profile, die bestimmen wie der Zipp aufgestellt ist (Bodennähe, bzw im Regal, auf einem Tisch, oder Outdoor) und es gibt weitere Voicings, die den Klang nochmals entsprechend eines EQ-Presets weiterbearbeiten.
Bei den FullRoom-Profilen kann man immer den Abstand zur hinteren und seitlichen Wand in groben Schritten einstellen, jedoch sind die klanglichen Unterschiede eher marginal. Man muss schon oft hin- und herswitchen um wirkliche Nuancen tatsächlich feststellen zu können. Aber selbst die zusätzlichen Voicings greifen nur unwesentlich in den Klang ein. Mit einer normalen EQ-App könnte man den Klang viel weitreichender verbiegen.
Ich habe mich ursprünglich auf das "Outdoor"-Profil festgelegt, weil es am druckvollsten klang, bin jedoch nach einiger Zeit auf das "Floor" Profil mit Wandabstand >60cm umgeschwenkt, weil es den wummigen Bass etwas gezähmt hat und die Höhen gleichzeitig verstärkt. Zusätzlich aktivierte ich das "Movie" Voicing, das den Bass eine Spur druckvoller machte, jedoch im Gegenzug die Höhen zurücknahm. Wirklich glücklich wurde ich damit jedoch nicht. Immer wieder fummelte ich mit den Einstellungen rum, und versuchte eine passende zu finden, aber fand nie ein Setting, das mich befriedigt zurücklehnen ließ, um die Musik einfach zu genießen. Der Klang war zwar insgesamt sehr klar, denn die Höhenwiedergabe war wirklich brillant, aber alles passte irgendwie nicht zusammen. Auch beim Zipp hatte ich immer wieder das Bedürfnis ihn direkt zu mir zu drehen bzw. höher zu stellen, weil sonst die Höhen merkbar darunter litten, was ich der eigenartigen Treiberbestückung zuschrieb, die durchaus interessant ist.

Über dem nach oben strahlenden 4" Tief/Mitteltöner sind 2 Bändchenhochtöner (bzw. Air Motion Transformer) angeordnet, die wiederum mittels einer seltsamen fächerartigen Konstruktion klanglich in alle Richtungen gestreut werden sollen. In Wahrheit ist die Streuung dennoch nicht 100% indirektional. So klingt der Zipp direkt von vorne am besten. 90° von den Seiten ist der Klang am schlechtesten, da nimmt die Höhenwiedergabe doch stark ab, um dann von schräg hinten wieder besser zu werden. Man merkt dieses Phänomen selbst von größeren Entfernungen. Stellt man den Zipp völlig frei auf und geht rundherum, merkt man immer wieder, wie der Klang sich ändert. Auch ist die Höhenwiedergabe vertikal recht gerichtet. Steht der Zipp direkt auf Ohrenhöhe, klingt er am besten. Stellt man ihn jedoch zu niedrig, leidet die Höhenwiedergabe sofort. Der von Libratone beworbene omnidirektionale Klangcharakter ähnlich eines Instuments ist meiner Meinung nach eher als Gag zu sehen, so wirklich zu Ende gedacht wurde es nicht. Anstelle von irgendwelchen komischen Fächern, wäre ein völlig frei montierter einzelner Hochtöner sicherlich effizienter gewesen. Denn obwohl im Zipp 2 getrennte Hochtöner für die jeweils beiden Stereokanäle verbaut sind, ist die Klangwiedergabe insgesamt dennoch mono. Ich habe testweise "Money" von Pink Floyd angespielt, das am Anfang ziemlich krasse links/rechts-Effekte aufweist, die sich vorwiegend auf den Hochtonbereich beschränken, aber von den Effekten war am Zipp nicht das Geringste zu hören, es klang einfach monophon, in welche Richtung ich den Lautsprecher auch drehte.


Auch der frei montierte Hochtöner meiner Philips Soundsphere schafft es zumindest in einem großen Radius um die Lautsprecherfront ein sehr homogenes Klangbild zu erzeugen. Bei den Philips ist der Tief/Mitteltöner ebenso indirekt nach oben strahlend ausgeführt, sodass die Philips teilweise sogar einen weniger direktionalen Klang erlauben als der Zipp. Insgesamt war der Klang der Philips natürlich um einige Klassen besser, abgesehen von der imposanten Stereobühne, dank 2 getrennter Lautsprecher. Der Zipp klang eher wie ein Kofferradio, während die Philips beinahe an eine größere Anlage erinnern.
Mir sind überdies noch weitere Probleme mit der Hochtonwiedergabe beim Zipp aufgefallen und zwar bei Stücken wo gewisse Klänge (zb. Hi-Hats, oder Tamburin) nur links oder rechts abgemischt wurden. Diese Klänge gingen beim Zipp fast völlig unter.
Bei der Basswiedergabe setzt Libratone ausschließlich auf den 4-Zöller. Es handelt sich um ein geschlossenes Gehäuse, der Zipp ist also weder mit einer Bassreflexröhre, noch mit einem zusätzlichen Passivradiator ausgestattet. In Wahrheit ist damit natürlich eine sauberere Basswiedergabe möglich, als bei Bassreflexsystemen, jedoch ist es auch viel ineffektiver, vor allem bei kleinen Membranen und Gehäusen. So verwundert es ein wenig, wie Libratone da die Basswucht rausgeholt haben, denn selbst das Gehäusevolumen im Inneren hinter dem Chassis ist voll zugestopft, sodass der Lautsprecher kaum einen wirklichen Resonanzkörper zu haben scheint:
(c) recordere.dk
Etwas ungewöhnlich ist auch die Bassabstrahlung. Hält man sein Ohr direkt hin, vermag man kaum einen nennenswerten Bass zu hören, erst aus einiger Entfernung hört man wirklich tiefe Töne.

Um mich von meinen subjektiven Klangeindrücken nicht in die Irre leiten zu lassen, habe ich den Zipp auch mit einigen weiteren Lautsprechern verglichen, die ich selbst nicht besitze. In einem B&O Laden hatte ich die Möglichkeit zum direkten Vergleich mit einem Beolit12. Dieser klang im Bassbereich gewaltiger und sauberer, im Mittenbereich natürlicher, nur im Höhenbereich war der Zipp deutlich klarer, ohne schrill zu klingen. Aber mir ist aufgefallen, dass grundsätzlich alle B&O Lautsprecher einen etwas dumpferen Klang produzieren.


Obwohl ich nie ein großer Fan des B&W Zeppelin war, klang der Zeppelin im Vergleich zum Zipp doch um einiges edler. Negativ fiel hier wieder die Mittenwiedergabe des Zipp auf, sowie die Höhenwiedergabe, die stark nachließ, wenn der Lautsprecher nicht auf Ohrenhöhe stand. Ich fand selbst den Klang des alten JBL Radial, den es mittlerweile seit 7 Jahren auf dem Markt gibt, und der inzwischen um 150 Euro verscherbelt wird, um einiges imposanter als den des Zipp. Sogar der JBL Radial schaffte ohne große Tricks eine viel homogenere Höhenabstrahlung. Auch von hinten klang der JBL noch einigermaßen klar und der Klang änderte sich kaum, egal von welchem Winkel man zum JBL stand. Schade, dass JBL es nie geschafft hat einen vergleichbaren wirklich vernünftigen portablen Lautsprecher zu bauen.

Ich hatte den Zipp mehrere Tage am testen, bis ich mich entschieden habe ihn doch zurückzuschicken. Ich wollte mich mit dem Zipp wirklich anfreunden und habe ihn auch teilweise liebgewonnen, wie auch mein kleiner Sohn, dem ich ihn ab und zu zum Einschlafen mit ruhiger Bossanova Musik ins Bettchen stellte. Ich hatte mit meiner Entscheidung zu kämpfen, aber für den Preis war es mir einfach nicht möglich den gegebenen Klang zu akzeptieren.



+ schönes neutrales aber gleichzeitig auffälliges Design
+ akzeptable Akkulaufzeit
+ insgesamt druckvoller Klang
+ sehr klare brillante Höhenwiedergabe
+ Klang bleibt bei allen Lautstärken homogen
+ mehr oder weniger 360° Abstrahlung
+ komfortable App für die Einrichtung als auch zur Klangeinstellung
+ Dank DirectPlay auch unterwegs ohne zusätzlichen Router Airplay möglich

- teuer
- "Mono"klang
- topfiger Klang, vor allem Mittenwiedergabe dünn
- Bass wummig abgestimmt
- Höhenwiedergabe vertikal stark direktional
- Verzerrungen bei gewissen Titeln bereits knapp über der Hälfte der Lautstärke
- Klangparameter der App beeinflussen den Klang nur unwesentlich
- für wirklichen portablen Betrieb zu groß und schwer
- gelegentliche Verbindungsprobleme bei DirectPlay-Betrieb

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